Die Kapelle Halbmeile

Die Halbmeile, eine Kapelle unter einem alten Baumbestand, regte seit jeher die Fantasie der Menschen an. So soll hier eine alte Richtstätte gewesen sein, allerdings besaßen die Herren der Englburg nur die niedere Gerichtsbarkeit über Alltagsvergehen. Die Kapelle wurde 1825 von einem Gneistinger Bauern als Dank für den unfallfreien Bau seines Hofes erbaut.

 

 

 

 

Die Richtstätte

Am Waldessaum steht die Kapelle,
umblüht von Linden im Geviert;
doch einst hat die geweihte Stelle
von wildem Waffenlärm geklirrt.

Da ward im grünen Lindenschatten,
wo jetzt der Herr die Arme hält,
gebreitet über Wald und Matten,
des Rechtes strenger Spruch gefällt.

Viel Hundert schlafen dort und träumen;
doch zieht die Sommernacht herauf,
dann brennen in den alten Bäumen
der armen Seelen Lichter auf.

Sie flattern durch den Wald und klagen,
und eh` der Morgen kommt herbei,
durchbraust's den Wald wie Schwerterschlagen
und wie ein harter Todesschrei!

Der Wanderer sieht die weißen Flammen,
erflieht zum Kreuze hin und spricht
einstilles "Vater unser....Amen",
da sinkt vom Baume Licht um Licht.

Karl Mayerhofer